Versunkener Kirchturm im Reschensee

Der versunkene Kirchturm im Reschensee ist ein eindrucksvolles Wahrzeichen und erinnert an die versunkenen Dörfer Graun und Reschen.

Der versunkene Kirchturm im Reschensee – ein einzigartiges Wahrzeichen

Im Reschensee bei Graun ragt ein einzelner Kirchturm aus dem Wasser – das einzige sichtbare Überbleibsel der Dörfer Graun und Reschen, die 1950 durch die Aufstauung des Sees vollständig versunken sind. Dieses eindrucksvolle Bauwerk aus dem Jahr 1357 erzählt eine bewegende Geschichte.

Geschichte und Hintergrund

Die Idee, den Reschensee aufzustauen, reicht bis in die Zeit der Monarchie zurück. Unter der faschistischen Regierung wurde das Projekt 1939 auf eine Stauhöhe von 22 Metern erweitert. Dabei wurden die Dörfer Graun, Reschen und der Weiler Arlund vollständig überflutet, zudem Teile von St. Valentin auf der Haide. Insgesamt verloren über 1000 Menschen ihre Heimat, und mehr als 160 Gebäude wurden zerstört. Die Flutung führte zur Vernichtung von rund 670 Hektar Kulturland und zwang zahlreiche Familien zur Umsiedlung.

Die Kirchenglocken des Turms wurden am 18. Juli 1950 abgenommen, eine Woche vor dem Abriss des Kirchenschiffs.Trotz dieser Tatsachen hält sich die Legende, dass man in kalten Winternächten das Läuten der Glocken noch hören könne – eine mystische Geschichte, die den Turm zu einem Symbol des Erinnerns macht.

Architektur und Bedeutung

Der Kirchturm stammt aus dem 14. Jh. und zeigt eine Mischung aus romanischen und gotischen Stilelementen. Er war Teil der Pfarrkirche St. Sebastian, die nach der Flutung an einem höher gelegenen Standort neu errichtet wurde. Heute ist der Turm das meistfotografierte Motiv im Vinschgau und ein bedeutendes Symbol für die Region.

Besuch und Hinweise

Im Winter kann der Kirchturm bei ausreichender Eisbildung des Reschensees zu Fuß erreicht werden. Allerdings ist das Betreten der Eisfläche aufgrund von Klimawandel und der Regulierung des Seespiegels durch das Kraftwerk oft unsicher. Seit der Sanierung 2009 schützt eine Mauer den Turmsockel vor Erosion. Besucher sollten das Betreten des Eises stets mit Vorsicht und auf eigene Gefahr unternehmen.

Der versunkene Kirchturm im Reschensee ist nicht nur ein faszinierendes Fotomotiv, sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis der Geschichte und der Veränderungen, die die Region im 20. Jahrhundert geprägt haben.